1. Fair@School
  2. 2021
  3. Nominierte

Platz 5: „Projektkurs Naher Osten“, Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, Berlin

Eine durch einen Schüler initiierte Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt. Dieser Konflikt ist aufgrund familiärer/ biographischer Bezüge für viele Schüler*innen der Schule ein wichtiges und emotional aufgeladenes Thema, dessen Komplexität im Schulalltag nie gerecht werden kann. Zudem wird der Schüler*innenschaft oft zugeschrieben, nicht politisch interessiert zu sein bzw. nicht bereit zu sein für diese Auseinandersetzung und auch eine solche Reise. Die Gemeinschaftsschule Rütli hat sich auf den Weg gemacht, um den Nahostkonflikt näher zu beleuchten. Hierbei wurde eigene Auffassungen des Konfliktes kritisch hinterfragt. Zwei Höhepunkte dieses Projekts waren eine Reise nach Israel und ein sehr gelungenes Comic. Es gibt eine ausführliche Handreichung, die sowohl nachzeichnet, wie das Projekt gelaufen ist, wie auch anderen Schulen Hinweise gibt, selbst ein solches Projekt in Angriff zu nehmen.

Mich überzeugt hier vor allem das Anknüpfen an der konkreten Lebenswelt der Jugendlichen und dass sie offenbar mit ihren Erfahrungen sehr ernst genommen werden.

PROF. EM. DR. HANNELORE FAULSTICH-WIELAND, UNIVERSITÄT HAMBURG


Platz 6: „Klare Worte-aber respektvoll", Mittelschule an der Wiesentfelser Straße, Bayern

Das Projekt befasst sich mit Sprachgewalt und Gewalt durch Sprache und will bei Jugendlichen ein kritisches Sprachbewusstsein fördern. Darüber soll die Klassengemeinschaft zu einer gewaltfreien Gemeinschaft werden. Sprache wird untersucht in Hinblick auf Populismus, Diskriminierung, Hate Speech, Fake News etc. Welche Sprache wird in meiner persönlichen Umgebung gesprochen und was macht das mit mir? Welche Worte benutzen wir, unsere Eltern, unsere Lehrer*innen? Wie fühlt es sich an, Opfer sprachlicher Gewalt zu sein oder sprachliche Gewalt auszuüben? In Rollenspielen werden Konfliktsituationen nachgespielt.

Diskriminerung beginnt bei der Sprache und Sprache ist sehr wirkmächtig. Dieses Projekt fördert die Sensibilisierung für diskriminierende Sprache im Alltag, im Unterricht und auf dem Schulhof und fördert den reflektierten Umgang mit Sprache.

MONIKA GESSAT, GEWERKSCHAFT FÜR ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT, BUNDESAUSSCHUSS MIGRATION, DIVERSITY, ANTIDISKRIMINIERUNG
bei der Jurysitzung


Platz 7: „Brücken bauen mit Musik“, Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen, Saarland

Musik AG im Nachmittagsangebot der Schule mit dem Schwerpunkt „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Die Teilnehmer*innen lernten die Kraft der Worte kennen – zur Artikulation der eigenen Meinung, zur gewaltfreien Lösung von Konflikten, zur Mobilisierung von Gleichgesinnten – und erlernten die notwendigen Schritte, um einen eigenen Song zum Thema Toleranz/ Anti-Rassismus zu schreiben. Eigene Erfahrungen und Themen werden eingebracht. Die in der AG entstandene Friedenshymne „Molotov zum Blumenstrauß“ belegte Platz 1 beim Eine-Welt-Songcontest des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, was ein großes Medienecho hervorrief, das Video erreichte in Kürze 70.000 Aufrufe.

Ein toller Ansatz, das so komplexe Thema Diskriminierungsschutz mit Schwerpunkt auf Antirassismus und LGBTIQ kreativ mit Musik anzugehen. Es sind tolle Songs mit wichtigen Botschaften entstanden. Respekt!

DR. SANDRA REITZ, ABTEILUNGSLEITUNG MENSCHENRECHTSBILDUNG IM DEUTSCHEN INSTITUT FÜR MENSCHENRECHTE
bei der Jurysitzung


Platz 8: „Erarbeitung eines Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt für die Richard-Müller-Schule“, Richard-Müller-Schule Kaufmännische Schulen der Stadt Fulda, Hessen

Das Präventionsteam der Richard-Müller-Schule erarbeitet seit 2018 ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt für die Schule, dabei wird sich am Leitfaden des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs orientiert. Die Handlungsempfehlungen werden überprüft und an die Bedürfnisse der Schule angepasst. Dafür wurden das gesamte Kollegium und die gesamte Schüler*innenschaft online zu Risiken, Unterstützungswünschen und Hilfebedarf befragt. Daraus wurden konkrete Präventionsangebote für Schüler*innen abgeleitet und es wurde sichtbar, wo im Kollegium Unsicherheiten bestehen und welche Schwächen bspw. innerhalb der schulischen Kommunikationsstrategien bestehen. Es folgten Weiterbildungsangebote für das Kollegium und ein Pädagogischer Tag zum Thema Gewaltprävention mit versch. Workshops. Bei Schulfesten und dem fest etablierten „Tag gegen Rassismus“ sind Beratungsstellen und Organisationen in der Schule präsent. Einige Beratungslehrer*innen und Sozialarbeiter*innen haben sich weiterbilden lassen und es gab ein Theaterprojekt zu „Gewalt im Namen der Ehre“. Ausgehend von den Ergebnissen der Risikoanalyse wird derzeit ein Verhaltenskodex für die Schule erarbeitet, an dessen Erarbeitungsprozess möglichst viele Schüler*innen und Kolleg*innen partizipieren sollen.

Schutz gegen sexualisierte Gewalt und übergriffiges Verhalten sind eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität und Lernerfolg von Schüler*innen. Das Projekt hat diese Themen in einem umfassenden Prozess mit allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft thematisiert und damit eine vorbildliche Grundlage für sicheren Umgang mit Vorfällen geschaffen. 

REBECCA KNECHT, BUNDESVERBAND QUEERE BILDUNG (VORSTAND)
bei der Jurysitzung


Platz 9: „Diversity Tage in den Jahrgängen 7 bis 10 am MRG“, Margaretha-Rothe-Gymnasium, Hamburg

Am ersten Freitag eines Schuljahres findet seit dem Schuljahr 18/19 ein Diversity Tag mit wechselnden Schwerpunkten statt. Schüler*innen der Jahrgänge 7 bis 10 nehmen an diesem Tag an Diversity-Trainings mit verschiedenen Schwerpunkten teil. Schüler*innen werden unterstützt, sich entsprechend ihrer individuellen Prägung zu entwickeln, sie werden sensibilisiert für Zuschreibungen und Machtverhältnisse und vor Einschränkungen und Benachteiligungen geschützt. Bereits 2010 hat die Schule in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung ein verbindliches Diversity-Training für die Oberstufe entwickelt. 21 Kolleg*innen haben sich zu Diversity-Trainer*innen ausbilden lassen.

Anti-Bias-Wochen fest zu etablieren hat am Margaretha-Rothe-Gymnasium zu einem spürbaren Rückgang von Mobbing und Diskriminierung geführt. Das ist ein großartiger Erfolg. 

GONKA TÜRKELI-DEHNERT, GESCHÄFTSFÜHRERIN DER DEUTSCHLANDSTIFTUNG INTEGRATION
bei der Jurysitzung


Platz 10: „Wir machen Radio gegen Diskriminierung“, Wilma-Rudolph-Oberschule, Berlin

Erstellung einer sehr professionellen Radiosendung zum Thema Diskriminierung durch zehn Schüler*innen der Jahrgänge 8-12, dabei liegt der Fokus auf der Sprache. In Vorbereitung der Radiosendung wurde eine Umfrage zu Diskriminierung an der Schule durchgeführt, die Ergebnisse davon werden in der Sendung aufgegriffen. Die Sendung informiert, klärt auf, kritisiert, regt an und gibt am Ende Ideen für weitere Auseinandersetzung und Bekämpfung von Diskriminierung an der Schule.

Ein Radio gegen Diskriminierung ist ein sehr kreatives Projekt, welches sich durch den Ideenreichtum der beteiligten Schülerinnen und Schüler und die Akzeptanz in der Schule auszeichnet.

MARCO RILL, PREISTRÄGER DES DEUTSCHEN LEHRERPREISES 2019
bei der Jurysitzung.